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Pflegeinterventionsklassifikation (NIC)

9783456832982 cop bulechek pflegeinterventionsklassifikation
Bulechek, Gloria et al.
Pflegeinterventionsklassifikation (NIC)
Aus dem Amerikanischen von Michael Herrmann. Deutschsprachige Ausgabe herausgegeben von Rudolf Widmer und Jürgen Georg
Hogrefe, Bern, 2016, 1119 S., 79,95 €, ISBN 978-3-246-83298-2.

Mit vorliegendem Werk liegt die 6. Auflage der nordamerikanischen Nursing Interventions Classification (NIC), einer wissenschaftsbasierten, umfassenden standardisierten Sprache zur Beschreibung pflegerischer Interventionen, Aktivitäten und Behandlungen, in deutscher Sprache vor. Die Pflegeinterventionsklassifikation wird seit 1987 vom NIC-Team erstellt. Joanne McCloskey-Dochterman, PhD, emeritierte Professorin des College of Nursing der University of Iowa, und Gloria M. Bulechek, PhD, emeritierte Professorin am College of Nursing der University of Iowa, waren Herausgeberinnen aller sechs Auflagen. Seit der fünften Auflage wirkt Howard K. Butcher, PhD, Associate Professor an genannter Einrichtung, mit, und seit der aktuellen sechsten Auflage ist Cheryl M. Wagner, PhD, Associate Dean an der American Sentinel University, Aurora / Colorado, als Herausgeberin dabei. Sämtliche Herausgeberinnen und Herausgeber sind zugleich Registered Nurses bzw. Pflegefachleute. Darüber hinaus waren an der Entwicklung der NIC bzw. ihrer 6. Auflage eine Vielzahl von Pflegewissenschaftlern und Pflegepraktikern sowie pflegerischer Fachgesellschaften beteiligt (S. 39-46).

Die 1987 erstmals entwickelte und in den Ausgaben von 1992, 1996, 2000, 2004, 2008 und 2013 jeweils fortgeschriebene und erweiterte Pflegeinterventionsklassifikation erhebt den Anspruch, alle klinisch nützlichen Interventionen abzubilden, welche von Pflegenden durchgeführt werden. Darunter finden sich sowohl allgemein gefasste als auch hochspezialisierte Aktivitäten, aber auch an Assistenzkräfte delegierbare einfache pflegerische Tätigkeiten. Die inzwischen 554 standardisiert ausgewiesenen Interventionen sollen sowohl die Pflegeausbildung als auch die Organisation, Administration und Abrechnung pflegerischer Leistungen unterstützen und die Kommunikation der an Pflege und Versorgung Beteiligten erleichtern. Zudem sollen sie dazu beitragen, die Leistungen der Pflege im Versorgungssystem zu dokumentieren und sichtbar zu machen (S. 31-34).

Die NIC-Ausgabe gliedert sich in sieben Teile einschließlich zweier Inhaltsverzeichnisse, eines Sachwort- sowie eines deutschsprachigen Literaturverzeichnisses. Dem ersten Teil gehen Vorworte, Danksagungen, Auflistungen der Beteiligten sowie Begriffsdefinitionen voraus. Dabei werden die zentralen Begriffe Pflegeintervention, Pflegeaktivitäten, Klassifikation und Taxonomie der Pflegeinterventionen sowie Patient, Familie und Gemeinschaft erläutert. Eine Kurzanleitung hilft, die Interventionen zu finden. (S. 47-49) Zudem finden sich im Verzeichnis der Einzelinhalte alphabetische Aufzählungen der Interventionen.

Zunächst wird die Pflegeklassifikation im Überblick vorgestellt (Teil I, S. 51-122). Im ersten Kapitel (S. 53-75) wird NIC beschrieben (S. 53-58), mit der Pflegeergebnisklassifikation NOC in Beziehung gesetzt (S. 58 f.); das Center for Nursing Classification and Clinical Effectiveness als Herausgeberinstitution am College of Nursing der Universität von Iowa wird kurz erläutert (S. 59 f.). Anschließend werden Fragen, die bisweilen zu NIC gestellt werden, beantwortet. Diese gliedern sich nach Fragen zur Art der Interventionen, zur Auswahl einer Intervention, zu Pflegeaktivitäten und sonstige Fragen (S. 60-74). Eine Zusammenfassung und ein Literaturverzeichnis schließen den ersten Teil ab (S. 74 f.). Das zweite Kapitel (S. 77-122) widmet sich dem Einsatz von NIC in Praxis, Ausbildung und Forschung. Auch dieses Kapitel schließt mit Zusammenfassung und Literaturverzeichnis.

Teil II (S. 123-146) enthält eine Übersicht über die NIC-Taxonomie und ihre unterschiedlichen Levels. Die 554 Interventionen wurden in sieben Bereiche und 30 Klassen unterteilt, welche jeweils durchnummeriert bzw. mit Codes versehen wurden. Die Taxonomie ordnet Interventionen Clustern zu. Die Konstruktion der Taxonomie beruht auf der Ähnlichkeitsanalyse, dem hierarchischen Clustering, der klinischen Urteilsbildung und Expertenprüfung (S. 125).

Teil III (S. 147-834) enthält die eigentliche Klassifikation. Die einzelnen Interventionen werden in alphabetischer Reihung aufgeführt und sind mit den jeweiligen Codes versehen. Die Darstellung umfasst darüber hinaus NIC-Originalbezeichnung, NIC-Taxonomie, Pflegezeit, Definition, Pflegeaktivitäten und englischsprachige Literaturempfehlungen. Die folgenden Teile ordnen die Interventionen ein und ermöglichen den Praxistransfer.

In Teil IV (S. 835-867) folgen die Kerninterventionen in Bereichen der Fachpflege nach 49 Einsatzfeldern, jeweils alphabetisch geordnet. Dabei finden sowohl krankheits- als auch situationsbezogene Spezialisierungen Berücksichtigung.

Teil V (S. 869-904) weist zur deutschen und englischen Interventionsbezeichnung die benötigte Pflegezeit und das zur Durchführung notwendige Ausbildungsniveau aus. Ausbildungsniveaus sind Pflegeassistenz, Pflegefachperson, Pflegefachperson mit Weiterbildung/Studium.

Teil VI (S. 905-1047) verknüpft die NIC-Interventionen mit NANDA-I-Diagnosen (Stand 2012-2014). Für jede Pflegediagnose werden Interventionen auf drei Ebenen angeboten: vorrangige, empfohlene und optionale Interventionen (S. 907).

Teil VII (S. 1049-1096) enthält diverse Anhänge: Veränderungen der einzelnen Interventionen gegenüber der 5. Auflage (S. 1051-1053), Richtlinien für die Einreichung einer neuen oder überarbeiteten Intervention (S.1055-1061), Historie und Höhepunkte der Pflegeinterventionsklassifikation (S. 1063-1068), Abkürzungsverzeichnis (S. 1069-1071), vorangegangene Auflagen und Übersetzungen (S. 1073), Herausgeberverzeichnis der deutschsprachigen Ausgabe (S. 1075 f.) sowie ein umfangreiches, systematisch gegliedertes deutschsprachiges Literaturverzeichnis (S. 1077-1096).

Die deutschsprachige Ausgabe der NIC ermöglicht einen umfassenden Zugang zur aktuellsten Fassung des Klassifikationssystems sowie zahlreiche Verknüpfungen zu Anwendungsfeldern in Wissenschaft und Praxis. Englischsprachige Literatur wird sowohl im Rahmen der Sachdarstellungen als auch zu jeder einzelnen Pflegeintervention nachgewiesen. Ergänzt wird der Literaturnachweis durch ein umfassendes deutschsprachiges Literaturverzeichnis. Das Werk beruht auf der aktualisierten amerikanischen Ausgabe, worin sowohl die einzelnen Kapitel als auch 128 Pflegeinterventionen überarbeitet als auch 23 Interventionen neu aufgenommen wurden (S. 31). Pflegerische Aktivität wird im umfassendsten Sinne verstanden -  von der hochspezialisierten medizinischen Fachpflege über die Pflege in unterschiedlichen gesellschaftlich-sozialen Umfeldern bis zum pflegerischen Casemanagement. Aufgrund ihres amerikanischen Ursprungs sind nicht alle Tätigkeitsfelder, Qualifikationsanforderungen und Interventionen unmittelbar in die Pflege-Realität im deutschsprachigen Raum übertragbar. Eine Anregung dafür, was Pflege sein kann, und somit ein Impuls zur Weiterentwicklung des Pflegeberufes sind sie allemal.

Das Buch ist in hervorragender Druck- und Bindequalität erschienen, die Gliederung ist übersichtlich. Die Übersetzung zeigt zeitweise eine große Nähe zum englischen Original (z.B. S. 1051-1053). Was sich mit dem deutschen Sprachgefühl nicht überall verträgt, kommt der Einfachheit und Verständlichkeit der Darstellung entgegen. Farblich unterlegte Tabellen und Übersichten erleichtern den Zugang zu dem über 1000 Seiten starken Werk.

Die deutschsprachige NIC-Ausgabe trägt den Charakter eines Handbuches, welches die Pflegeinterventionsklassifikation einer breiteren deutschsprachigen Fach-Leserschaft erschließt. Man wünscht dem Werk eine große Resonanz, insbesondere bei denjenigen, die an einem systematischen Aufweis pflegerischer Leistungen sowie der Strukturierung pflegerischer Prozesse arbeiten.
 
Eine Rezension von Dipl.-Theol. Andrea Windisch B.Sc.
 
 

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