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Rezensionen

Wymann
Wymann, Christian
Schreibmythen entzaubern – Ungehindert schreiben in der Wissenschaft
Verlag Barbara Budirch, Leverkusen, 2016, 118 Seiten, 12,99 €, ISBN: 978-3-8252-4660-0
 

Das 118 Seiten umfassende Taschenbuch thematisiert Schreibmythen, denen Studierende und Forschende während des Schreibprozesses alltäglich begegnen. So gehen Schreibende davon aus, dass sie zum wissenschaftlichen Arbeiten eine große Menge Zeit und Inspiration benötigen. Andere setzen sich das unrealistische Ziel, erst alles zum Thema gelesen zu haben, bevor sie mit dem Schreiben beginnen können. Unbewusst wird das Recherchieren als Vorwand benutzt, um nicht schreiben zu müssen. Darüber hinaus hält sich der Mythos, mit Übertritt an die Universität müssten Studierende wissenschaftlich schreiben können. Das führt zu falschen Erwartungen an den eigenen Schreibprozess.

Diese Annahmen reflektiert der Autor Christian Wymann in seinem Taschenbuch. Dabei bringt er die Lesenden im ersten Teil des Buches dazu, innere Einstellungen und Selbstkonzepte zum Schreiben, z.B. „Ich kann einfach nicht schreiben“, kritisch zu hinterfragen. Er ermutigt dazu, früher mit dem Schreibprozess zu beginnen und sich nicht durch übertriebene Literaturrecherche vom Schreiben abhalten zu lassen. Schreibende sollen sich trauen, einen eigenen Schreibstil zu entwickeln. Damit entgegnet der Autor dem Mythos, in der Wissenschaft könnten komplexe Sachverhalte nur kompliziert ausgedrückt werden.

Das Buch kann dazu beitragen, dass Schreibende die eigene Haltung zum Schreibprozess hinterfragen und selbst auferlegte Blockaden reflektieren. Der Autor ermutigt dazu den Erwartungsdruck, ein geschriebener Text müsse beim ersten Durchlauf perfekt sein, zu überdenken. Dadurch werden die Lesenden angeregt, das eigene Schreiben auf der Metaebene zu betrachten. Während andere Ratgeber zum „Wissenschaftlichen Arbeiten“ von der Literaturrecherche über die Erstellung einer Gliederung bis hin zum Schreibprozess informieren, setzt dieses Buch beim Schreibenden selbst an.
 
Der Autor ist freiberuflich als Schreibberater an der Universitätsbibliothek Bern und als Schreibcoach tätig. Dadurch versteht er es, aus der Perspektive Studierender mit wenig Schreiberfahrung zu berichten.

Der Text wird durch historische Rückblicke auf die mühevolle Schreibarbeit von namhaften Wissenschaftlern wie Max Weber und Philosophen wie Ludwig Wittgenstein aufgelockert. Dabei wird deutlich, dass beim wissenschaftlichen Schreiben kein Meister vom Himmel gefallen ist, sondern Schreiben ein stetiger Lernprozess ist. Durch Anmerkungen des Autors zu den eigenen Schreiberfahrungen während der Diplomarbeit wirkt das Buch authentisch.
 
Wymann wählt einen unkomplizierten und klaren Stil, was das Lesen vereinfacht. Jedes Kapitel wird mit Fragesätzen zu Beginn eröffnet und mit einer Zusammenfassung und den Antworten auf diese Fragen beendet. Dadurch erhält das Buch einen strukturierten Aufbau. Comics zu den jeweiligen Themen lockern das Taschenbuch zusätzlich auf.

Insgesamt ist das Buch für Studierende und Forschende geeignet, die bereits die Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens erlernt haben. Gerade für Studierende, die mit Schreibblockaden zu kämpfen haben, kann dieses Buch ein wertvoller Ratgeber sein.
 
Eine Rezension von Andrea Komlew

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