Genauigkeit von Risikoskalen zur Einschätzung des Dekubitusrisikos: Eine systematische Literaturübersicht

Das Vorhandensein eines Dekubitus bedeutet für Betroffene eine Reduktion der Lebensqualität und impliziert, dass Pflegende eine ineffiziente Pflege praktizieren (Chan, Pang und Kwong 2009). Risikoassessmentinstrumente können in der klinischen Praxis hilfreich sein, um Pflegepersonen für Risikofaktoren zu sensibilisieren und bieten einen Mindeststandard an Risikoerhebung und Risikodokumentation (Kottner, Dassen und Tannen 2008). Da Risikofaktoren zur Entstehung von Dekubitus zwischen PatientInnen in verschiedenen klinischen Settings variieren (Moore und Cowman 2008), sind unterschiedliche Instrumente erforderlich, um RisikopatientInnen zu identifizieren. Zur Beantwortung der Forschungsfrage „Welche Risikoskala kann das Dekubitusrisiko in den unterschiedlichen klinischen Settings mit der höchsten Genauigkeit einschätzen?“ wurde eine systematische Recherche und kritische Bewertung der Literatur vorgenommen. Sechs Diagnosestudien und vier Systematische Übersichtsarbeiten entsprachen den Einschluss- und Qualitätskriterien und wurden zur Beantwortung der Forschungsfrage herangezogen. Die Braden Skala ist die am häufigsten untersuchte Skala und hat sich im Setting Krankenhaus als genaueste Skala erwiesen. In geriatrischen Langzeitpflegeeinrichtungen/Pflegeheimen erzielt man mit der Norton Skala genauere Werte für das Dekubitusrisiko als mit der Braden Skala. In Intensivpflegeeinrichtungen haben die Braden Skala und die Cubbin und Jackson Skala die höchsten Werte für die Genauigkeit erreicht. Generell muss die Testgüte von Risikoskalen zur Einschätzung des Dekubitusrisikos kritisch und zum Teil als unzureichend betrachtet werden. Risikoassessmentinstrumente zur Identifizierung von dekubitusgefährdeten Personen sollten nur in Kombination mit der klinischen Beurteilung des Dekubitusrisikos durch professionelle Pflegepersonen Anwendung finden (Kottner, Dassen und Tannen 2008).
Autor/in/nen
Daniela Schoberer, Susanna Schaffer, Barbara Semlitsch, Waltraud Haas, Sandra Schrempf, Christine Uhl, ,
Abstract
Pressure ulcer reduces patients’ quality of life and also carries underlying connotations of lowered efficiency in nursing care (Chan, Pang und Kwong 2009). Risk scales can help to sensitise nursing practitioners to risk factors and provide a minimum standard of risk assessment and risk documentation (Kottner, Dassen und Tannen 2008). Because risk factors that predispose an individual to developing a pressure ulcer vary among patients in different clinical setting (Moore und Cowman 2008), different tools are required to identify patients at risk. To answer the research question: „Which risk assessment tool to detect a pressure ulcer is the most accurate in different clinical settings?” a systematic literature review and a critical appraisal of articles was done. Six diagnostic studies and four systematic literature reviews meet the inclusion and quality criteria and were used to answer the research question. The Braden Scale is the most validated and the most accurate scale in hospitals. In nursing homes and long time care the Norton Scale has a higher diagnostic accuracy than the Braden Scale. In intensive care units the Braden and the Cubbin und Jackson Scale are the most accurate tools. In general a critical view should be taken of psychometric properties of pressure ulcer risk scales. Risk assessment tools to identify patients at risk should only be used in combination with clinical expertise of professional nursing practitioners (Kottner, Dassen und Tannen 2008).
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