Jan 23, 2019 Last Updated 5:45 PM, Jan 20, 2019

Forschungswelten 2019

Save-the-date: Forschungswelten 2019! Vom 4.-5. April 2019 findet an der Hochsc...

Bonacker
 
Bonacker M. und G. Geiger (Hrsg.)
Menschenrechte in der Pflege
Verlag Barbara Budrich, Opladen, 2018, 292 S., 29,90 €, ISBN-13: 978-3847421825

Die Pflege und vor allem die Demenzpflege muss in der täglichen Praxis sowohl Freizügigkeit als auch Sicherheit gewährleisten. Angesichts der Tatsache, dass mit zunehmendem Alter die körperlichen und auch geistigen Gebrechen massiv zunehmen, treten mehr und mehr Schutzmaßnahmen in den Vordergrund, die entsprechend der juristischen Diktion teils freiheitseinschränkende und auch freiheitsentziehende Aspekte enthalten. Der vorliegende Sammelband enthält Beiträge zu diesem Thema, bei den Autoren handelt es sich überwiegend um Mediziner, Juristen, Philosophen und Pflegende.

Die Arbeit ist in vier Themenfelder mit insgesamt 15 Beiträgen nebst Einleitung untergliedert.
• Teil 1 (Ethische Grundlagen der Pflege, Seite 15 - 104) enthält abstrakt ethisch-philosophische Reflexionen über die Bedeutung der Menschenrechte in der Pflege.
• Teil 2 (Rechtliche Perspektiven im Pflegeprozess, Seite 107 – 162) beinhaltet den rechtlichen Rahmen freiheitseinschränkender Interventionen im stationären und häuslichen Bereich, u. a. anhand von konkreten Beispielen.
• Teil 3 (Medizinische Perspektiven in der Pflegepraxis, Seite 165 – 230) thematisiert die Patientenverfügung, das ärztliche Gutachten im Pflegeprozess und die psychosozialen Belastungen pflegender Angehöriger.
• In Teil 4 (Pflegewissenschaftliche Perspektiven auf die Praxis, Seite 233 – 285) werden u. a. freiheitsentziehende Maßnahmen im Heimbereich und des Weiteren Formen der Gewalt bei der Körperpflege angesichts des Verweigerungsverhaltens Demenzkranker kritisch hinterfragt, ohne hierbei den Aspekt einer medizinischen Indikation für diese Handlungsweisen in Erwägung zu ziehen.

Die Autoren favorisieren überwiegend den Vorrang der Selbstbestimmung Demenzkranker als Orientierungsgröße im Hinblick auf den Einsatz einschränkender Schutzmaßnahmen, ohne das Grundrecht auf Unversehrtheit hierbei angemessen zu berücksichtigen. In den Pflegeheimen werden jedoch bereits demenzsensible und zugleich bewegungseinschränkende Maßnahmen und parallel hierzu Interventionen auf der Basis einer „fiktiven Autonomie“ (Jan Wojnar) praktiziert, die für die Betroffenen sowohl eine stressfreie als auch sichere Lebenswelt bilden. Da dieses wirkungsvolle Erfahrungswissen in dieser Publikation nicht thematisiert wird, kann keine Empfehlung zur Lektüre gegeben werden, denn es fehlen die entscheidenden Impulse zur praktischen Implementierung von Sicherheit und einem Gefühl von Freiheit und Selbstbestimmung.

Eine Rezension von Sven Lind

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