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Implementierung akademischer Pflegekräfte

Akademische

Andree, Josef

Implementierung akademischer Pflegekräfte

Wie lassen sich akademische Pflegekräfte sinnvoll in der Pflegepraxis integrieren?

Logos Verlag, Berlin. 2013, 44 Seiten, 34,95 €, ISBN 978-3-8325-3590-2.

Entstehungshintergrund

Diese Publikation basiert auf der Bachelorarbeit des Autors Josef Andree, der hiermit sein Studium der Pflegepädagogik an der Evangelischen Hochschule Nürnberg abschloss. Hintergrund ist die seit längerer Zeit dringliche Thematik der Integration hochschulisch primärqualifizierter Pflegender in den Arbeitsmarkt in Deutschland angesichts der steigenden Anzahl entsprechender primärqualifizierender Pflegestudiengänge mit Berufszulassung. Diese Arbeit setzt an der Frage an, wie sich Absolventen ausbildungsintegrierender Pflegestudiengänge sinnvoll in der Praxis einsetzen lassen und welche Strategien Pflegeeinrichtungen entwickelt (oder vorgesehen) haben, um akademische Pflegekräfte in der direkten Pflege zu integrieren. Damit berührt diese Bachelor-Thesis das zentrale und derzeit in der Disziplin intensiv diskutierte Thema der Akademisierung durch die Pflegeerstausbildung, das nicht zuletzt auch durch die Empfehlungen des Wissenschaftsrates für eine 10-20 % Quote hochschulisch qualifizierter Pflegender eines Ausbildungsjahrgangs zunehmende Bedeutung erlangt hat.

Aufbau und Inhalt

Die Arbeit ist in neun Kapitel gegliedert. In der Einleitung begründet Josef Andree den Hintergrund für die genannten Fragestellungen und legt die Zielsetzung der Arbeit dar. Diese besteht darin mittels der Ergebnisse seiner qualitativen Studie (qualitative Leitfadeninterviews mit u. a. Pflegedirektoren und akademischen Pflegenden aus sechs Einrichtungen), Studierenden und AbsolventInnen pflegewissenschaftlicher Studiengängen und potenziellen Arbeitgebern Orientierung über die Möglichkeiten des Einsatzes hochschulisch qualifizierter Pflegender in der direkten Pflegepraxis zu geben. Seine Fragestellung lautet: Wie lassen sich akademische Pflegekräfte sinnvoll in die pflegerische Praxis integrieren? Außerdem geht Andree weiteren Unterfragestellungen nach, die sich auf die Erfassung von Erwartungen an akademische Pflegekräfte, der für sie vorgesehenen Aufgaben- und Verantwortungsbereiche, der organisatorischen oder strukturellen Veränderungen zu deren Integration, der zu erwartenden Schwierigkeiten bei der Integration und schließlich der Vergütungsmöglichkeiten für akademische Pflegekräfte beziehen.

Dem folgt eine sehr kurze Analyse der gegenwärtigen Situation der Akademisierung durch die Pflegeerstausbildung in Deutschland, in der etwa auf die Gründe für die Akademisierung und deren Entwicklung eingegangen wird. Schließlich wird die Konzeption des Studiengangsmodells Pflege dual erläutert. Als Probleme der Akademisierung und Anlass für die vorliegende Arbeit führt der Autor die Tendenz hochschulisch qualifizierter Pflegender an, sich eher in patientenferneren Handlungsfeldern zu engagieren, was Andree mit Bezug auf Literatur als "Heimatlosigkeit" hochschulisch qualifizierter Pflegender durch deren Ansiedlung in eher praxisferne Bereichen bezeichnet. Dazu kommt, dass mit u. a. dualen Pflegestudiengängen die Akademisierung der direkten Pflegepraxis später im Verhältnis zur Akademisierung des Pflegemanagements und der Pflegepädagogik einsetzte. Die Begründung des methodischen Vorgehens ist äußerst knapp auf wenigen Seiten skizziert. Dann stellt Andree seine Ergebnisse zunächst einrichtungsbezogen vor, was stringent an den Unterfragestellungen strukturiert ist. Insgesamt berichten vier VertreterInnen von Einrichtungen über ihre Vorstellungen zur Integration hochschulisch qualifizierter Pflegender, wohingegen drei Einrichtungen mit tatsächlichen Erfahrungen aufwarten können. In der zusammenfassenden Aufbereitung der Gesamtergebnisse zeigt Andree die folgenden drei Möglichkeiten zur Implementierung bzw. Integration hochschulisch qualifizierter Pflegender in die Pflegepraxis auf:

  1. Das Modell der geteilten Führung beinhaltet die Übernahme des Anteils fachlicher Leitung aus dem bisherigen Aufgabenbereich einer Stationsleitung seitens hochschulisch qualifizierter Pflegender, wohingegen die Stationsleitung für den Anteil der administrativen Leitung verantwortlich zeichnet.
  2. Das Modell der Pflegeexperten, die die traditionell qualifizierten Pflegenden in der direkten Pflege mit ihren wissenschaftlichen Kenntnissen unterstützen und für theoretische Arbeiten von ihrer sonstigen praktischen Pflegetätigkeit entlastet werden.
  3. Das Modell der Gleichstellung der hochschulisch mit den traditionell qualifizierten Pflegenden in der Verantwortlichkeit und im Aufgabenbereich.

Anhand dieser Modelle dekliniert Andree die jeweiligen Merkmale in den Subkategorien Verantwortlichkeit, Freistellung von Pflegetätigkeiten, Vergütung und zu erwartende Schwierigkeiten in der Integration hochschulischer Pflegender in der Pflegepraxis durch. Der Überblick in tabellarischer Form ermöglicht einen guten Vergleich der einzelnen Integrationsmodelle und ihrer Merkmale.

Im Anschluss daran unternimmt Andree einen internationalen Exkurs in die Niederlande, einem im Hinblick auf die Pflegeakademisierung fortschrittlicheren Land, und betrachtet das Ausbildungsmodell und die Einsatz- und Aufstiegsmöglichkeiten für die akademisch ausgebildeten Pflegenden auf der Basis von Interviews mit Experten, deren methodische und theoretische Basis ebenso ungeklärt bleiben. Im Vergleich mit den zuvor entwickelten Integrationsmodellen fällt auf, dass AbsolventInnen der Pflegewissenschaft weniger in der direkten Pflege als mehr auf der Leitungsebene eingesetzt sind und pflegewissenschaftliche Kompetenzen somit eher indirekt über die Leitungsebene auf die Pflegepraxis Einfluss zu nehmen scheinen.

Die Arbeit schließt mit einer nochmaligen Zusammenfassung der Befunde ab, ohne dies im Kontext weiterer Literatur zu diskutieren. In der Abschlussbetrachtung stellt Andree die drei von ihm gefundenen Integrationsmodelle nebeneinander und favorisiert schließlich das Modell der Pflegeexperten. Der Anhang enthält die vom Autoren kreierten Interviewleitfäden.

Diskussion

Insgesamt betrachtet widmet sich der Autor einem für die Disziplin Pflegewissenschaft zentralen und aktuellen Thema, das neben seiner Einschlägigkeit gut und interessant aufbereitet wird. Hieraus können durchaus interessante und bedenkenswerte Impulse für den Diskurs in der Disziplin ausgehen. Abgesehen von vereinzelten Rechtschreibfehler und kleineren inhaltlichen Unschärfen werfen die leider unzureichenden methodischen Ausführungen Fragen der Nachvollziehbarkeit der Befunde auf, mit entsprechenden Folgen für deren Übertragbarkeit. Auch die einbezogene Literatur ist etwas lückenhaft. Inhaltlich regen die Argumente des Autors mitunter zur Auseinandersetzung an und hätten auch mit weiterem Rückgriff auf Literatur weiter ausgeführt und begründet werden können. Ein Beispiel dazu ist: Wo Andree (2013: 6) mit Blick auf das Studium Pflege Dual ausführt, deren Besonderheit liege "in der Verknüpfung zwischen theoretischer Hochschulausbildung und praktischer Berufsausbildung", stellt sich die Frage der Gestaltung dieser Verknüpfung, wenn so genannte 'Schülerstudierende' in gemischten Klassen mit Auszubildenden der traditionellen Pflegeausbildung gemeinsam lernen. Eine kritischere Auseinandersatzung dazu wäre wünschenswert gewesen, da eine Verknüpfung hingegen von Seiten sowohl der Berufsfach- als auch der Hochschule zu fordern wäre und sich die Frage stellt, wie pflegewissenschaftlich durchdrungen das in gemischten Klassen von Berufsfachschulen vermittelte Pflegefachwissen tatsächlich ist und sein kann. Auch die vom Autor vorgeschlagene Favorisierung der Integrationsmethode der Pflegeexperten wirft Fragen auf. Setzt sie doch der Argumentation des Autors zufolge auf möglichst wenige Störfaktoren durch die Vermeidung von traditionellen Strukturveränderungen. Einen weiteren zentralen Punkt bilden die Befunde zur (zumeist ungeklärten) Vergütung, was ebenso einer weiteren kritischen Auseinandersetzung bedurft hätte. Denn wie realistisch ist es, junge Menschen für die Aufnahme eines Hochschulstudiums zu motivieren, wenn ihnen (zunächst) im Vergleich zu traditionellen Pflegenden eine höhere Vergütung versagt bleibt (ungeachtet dessen, dass neben der Gratifikation selbstredend weitere Gründe für die Aufnahme eines Hochschulstudiums sprechen). Doch diese beispielhaften Anmerkungen zeigen das große Potenzial zur kritischen Auseinandersetzung, dass die Ideen zur Integration hochschulisch qualifizierter Pflegender in sich bergen. Offen bleiben in den Ausführungen Andrees, wie weitere Aufgabenbereiche, Funktionen und Rollen akademisch qualifizierter Pflegender aussehen könnten unter Rückgriff etwa auch auf den Fachqualifikationsrahmen Pflege. Doch wäre das angesichts einer Qualifikationsarbeit nicht alles zu leisten gewesen.

Fazit

Insgesamt bietet diese Veröffentlichung bei allen Begrenzungen in der Methodik und in Anbetracht der recht kleinen Fallzahl der Befragten einen aktuellen, interessanten und lesenswerten Beitrag für die berufspolitische Diskussion über die Integration hochschulisch qualifizierter Pflegender. Um Aufschluss über notwendige Initiativen zur Unterstützung der Integration zu erlangen, bedarf es selbstredend einer breiteren Forschungslage. Dennoch sind Beiträge dieser Art für den Diskurs zu begrüßen.

Eine Rezension von Prof. Dr. Michael Schilder

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