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Krankenhaus-Controlling

Schirmer
 
Schirmer, Herbert 
Krankenhaus-Controlling
Handlungsempfehlungen für Krankenhausmanager, Krankenhauscontroller und alle mit Controlling befassten Führungs- und Fachkräfte in der Gesundheitswirtschaft
expert verlag, Renningen, 2017, 5., überarb. und erw. Aufl., 478 S., 49,90 €, ISBN 978-3-8169-3371-7

Das Buch will ein Leitfaden für alle mit dem Controlling in Gesundheitseinrichtungen (also grundsätzlich auch Arzt- und Physiotherapiepraxen, Pflegheimen etc.) befassten Fach- und Führungskräfte sowie für Studierende und ausdrücklich auch für betriebswirtschaftliche Laien sein. Controlling wird dabei, entsprechend seiner zunehmenden Bedeutung angesichts der demographischen und gesundheitsökonomischen Herausforderungen, als interdisziplinäre Querschnittsaufgabe definiert und in seinen komplexen intra- und extramuralen Bezügen dargestellt. Sowohl Organisation und Selbstverständnis des Controllings als auch Controlling-Instrumente kommen zur Sprache.

Das Werk mit Handbuchcharakter wurde in nunmehr fünfter Auflage von Prof. Dr. rer. oec. habil. Herbert Schirmer verfasst. Der habilitierte Betriebswirt und Diplom-Wirtschaftsingenieur ist Professor für Management und Controlling an der Fachhochschule des Mittelstandes in Bielefeld und lehrt an weiteren deutschen Universitäten und Hochschulen in Masterstudiengängen der Gesundheitswirtschaft. Im Jahr 2002 wurde er Gründungsdirektor der VICENNA-Akademie in Herford. Die Gründung des Deutschen Vereins für Krankenhaus-Controlling e-V. im Jahr 1994 geht auf ihn zurück.

Nachdem 1998, im Kontext der Einführung des Krankenhaus-Controllings (S. 18) die erste Auflage erschienen war, blieb das Thema des Controllings in der Gesundheitswirtschaft so aktuell, dass in regelmäßigen Abständen Neuauflagen erschienen. Inzwischen ist das Krankenhaus-Controlling in das Controlling in der Gesundheitswirtschaft eingegangen und hat sich zusammen mit dem Medizincontrolling über die Krankenhäuser hinaus etabliert (S. 18). Durch die ökonomische Wende im Gesundheits- und Sozialwesen sowie angesichts veränderter demographischer und rechtlich-politischer Rahmenbedingungen, medizinisch-technischer Möglichkeiten und gestiegenen Gesundheitsbewusstseins in der Bevölkerung hat sich der Druck zu wirtschaftlicher, konkurrenzfähiger und qualitativ hochwertiger Leistungserbringung weiter erhöht. Somit sind auch die Anforderungen an den Controlling-Dienst, seine Interdisziplinarität, seine Prognose- und Planungsfähigkeiten gestiegen. Die vorliegende fünfte Auflage knüpft an die vorangegangenen Auflagen an und erweitert sie im Hinblick auf die aktuellen Herausforderungen, insbesondere des Krankenhausbereiches. Dabei steht vor allem die Verankerung des Controllings gleichsam „in der Mitte des Unternehmens“, und damit auch in den Kernbereichen Medizin und Pflege, im Fokus (vgl. S. 1-6).

15 Kapitel nähern sich dem Thema aus unterschiedlichen Perspektiven an:
1. Controlling als wichtiger Bestandteil des Managements in der Gesundheitswirtschaft (S. 15-44)
2. Mit Controlling zu einem erfolgreichen Management (S. 44-81)
3. Herausbildung des Controlling-Systems in den Krankenhäusern und Gesundheitsunternehmen als Subsystem zu Managementsystem (S. 81-120)
4. Zur Stellung und zu den Aufgaben der Krankenhaus-Controller (S. 121-131
5. Unterschied zwischen Leitbild und Berufsbild für Krankenhaus-Controller (S. 132-144)
6. Controllinginstrumente zur wertorientierten Unternehmenssteuerung im Krankenhaus (S. 144-218)
7. Balanced Scorecard als modernes Controlling- und Führungsinstrument im Krankenhaus (S. 219-230)
8. Qualitätsmanagement, Wettbewerbsstrategien und Risiko-Vorsorge des Krankenhaus-Controllings (S. 230-251)
9. Zusammenhang von Controlling und Benchmarking als Form des Qualitätsvergleichs im Gesundheits- und Krankenhaussektor (S. 252-263)
10. 10. Entwicklung des Krankenhauses zum Gesundheitszentrum (S. 263-285)
11. Externe Mediziner in das Krankenhaus-Controlling integrieren (S. 286-291)
12. Besondere Bedeutung des Personal-Controllings in den Krankenhäusern (S. 291-333)
13. Information, Kommunikation, Informatik und Telematik als wesentliche Voraussetzungen für ein ausgezeichnet funktionierendes Controlling im Krankenhaus (S. 333-364)
14. Sozialkompetenz, Teamfähigkeit und Kommunikationsvermögen der Krankenhaus-Controller (S. 364-380)
15. Ausblick (S. 380-388)

Der Inhaltsdarstellung ist ein Vorwort (S. 1-6) vorgeschaltet. Im Anschluss an den „Ausblick“ folgen ein Glossar von Grundbegriffen für Krankenhaus-Controller (S. 389-442), ein Abbildungsverzeichnis (S. 443-453) sowie ein Verzeichnis weiterführender Fachliteratur für Krankenhaus-Controller (S. 454-466) und ein Stichwortverzeichnis (S. 467-478).

Das Buch beleuchtet das Krankenhaus-Controlling bzw. das Controlling im Krankenhaus aus allen erdenklichen Richtungen. Es richtet den Blick ebenso auf Geschichte, Entwicklung, Rolle und Qualifikationswege im Controlling sowie auf seine Einbindung in die betriebliche Organisation. Dabei werden theoretischer Anspruch und reale Umsetzung kontrastiert, was sowohl für das Berufsbild als auch für die Rahmenbedingungen (etwa im informationstechnischen Bereich) gelten kann. Controlling- und Management-Instrumente werden in ihrer Breite und ihren unterschiedlichen Zielrichtungen dargelegt und durch zahlreiche Tabellen und Graphiken bzw. Formeln veranschaulicht. Leider fehlen bei den Formeln der mathematischen Controllinginstrumente konkrete Rechenbeispiele und teilweise Erläuterungen der Variablen (S. 198-205. 213). Auch kann die Darstellung der Instrumente nicht in die Tiefe gehen, was im Einzelnen die Verständlichkeit für den betriebswirtschaftlichen Laien mindert.

Verdienstvoll scheint, dass sich der Autor klar zum Gesundheitsbetrieb als erwerbswirtschaftlichem Unternehmen bekennt (S. 28. 72). Konsequenz daraus ist Transparenz und die Einhaltbarkeit öffentlich kommunizierter Versprechen (vgl. S. 63). In Anbetracht der politisch gesetzten Rahmenbedingungen und des sich verändernden Auftrages von Gesundheitseinrichtungen, insbesondere von Akutkliniken, ist dies – wenigstens in diesem Kontext - für einen sachgerechten und realistischen Zugang unabdingbar.

Die Veränderungen im Gesundheitswesen bedingen Veränderungen im Berufsbild des Controllers (S. 116-120) und in der organisationalen Verankerung von Controlling, das als Subsystem zum Managementsystem zu etablieren ist, wobei alle Führungskräfte eine Grundlagenqualifizierung im Controlling haben sollten (S. 81) und alle für wirtschaftliche Prozesse Verantwortlichen einzubinden sind (S. 22).

Der Verfasser geht von Pflege als Kerngeschäft und Profitcenter aus (S. 39.271). Ob dies in allen Abteilungen und unter dem bestehenden Finanzierungssystem in allen Fällen gelten kann, wäre zu diskutieren. Zudem wäre zu fragen, ob nicht Service-Center (S. 273) mit anderen Konzepten auch als Profit-Center organisiert werden könnten, zumal das Angebot neuer Leistungen bzw. der Ausbau des Krankenhauses zum Gesundheitszentrum als Wege der Zukunft gesehen werden (S. 2. 263-270). Eine besondere Rolle könnte dabei der Methode des Case Management zukommen (S. 53 f.).

Obgleich das Buch auf alle Bereiche der Gesundheitswirtschaft zielt, beleuchtet es doch schwerpunktmäßig das Krankenhaus, seine typischen Leistungs-, Organisations- und Finanzierungsstrukturen. Selbstverständlich können die Instrumente grundsätzlich in andere Bereiche übertragen werden, dennoch dürften andere Finanzierungsformen, etwa im Teilkasko-System Pflege, einen anderen Fokus erfordern, der nicht nur Pflege als Kerngeschäft und einen (in nicht unwesentlichen Teilen) selbstzahlenden Kunden berücksichtigt, sondern auch die Beziehungen zu mit Ermessensspielräumen ausgestatteten institutionellen Kostenträgern (Pflegekassen, MDK und Sozialämter). Inwieweit die auf S. 92-95 dargestellten Szenarien zur Entwicklung der deutschen Gesundheitswirtschaft nach heutigem Stand realistisch sind, bleibt zu diskutieren.

Die Gestaltung des Buches, das leider häufige Rechtschreibfehler aufweist, könnte in einer erneuten Auflage verbessert werden. Zudem wünscht man sich Literaturnachweise im Text sowie durchgehende Quellennachweise der Graphiken (z.B. S. 50-52), eine Überarbeitung des Layouts sowie einen farbstabilen Einband wünschen.

Insgesamt handelt sich um ein hervorragendes Handbuch, das nicht nur Spezialisten, sondern auch Studierenden, Fachleuten anderer Disziplinen und allen Interessierten zu empfehlen ist, die einen umfassenden, leicht verständlichen Überblick über Perspektiven, Dimensionen und Instrumente des Krankenhauscontrollings suchen.

Eine Rezension von Dipl.-Theol. Andrea Windisch B.Sc.

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