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November

 

Ausgabe 11-2014

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Liebe Leserinnen und Leser,

 

Schon 1863 forderte Florence Nightingale das Führen einer Pflegedokumentation (Ammenwerth 2000, S. 218). Heute ist die Pflegedokumentation mit dem §5 des Gesundheitsund Krankenpflegegesetzes und dem §11 des Heimgesetzes in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben. Im heutigen Pflegealltag ist die Pflegedokumentation „(...) ein wesentlicher Bestandteil der klinischen Dokumentation. Sie begleitet den gesamten Pflegeprozess.“ (Ammenwerth 2000, S. 219) Dieses gilt nicht nur in Kliniken, sondern in allen Einrichtungen in denen Pflegeleistungen erbracht werden. Obwohl der Pflegedokumentation in der Langzeitpflege eine hohe Bedeutung zukommt, so wird sie „meist nur als Leistungsnachweis und zur rechtlichen Absicherung“ genutzt. (Garms-Homolova, Niehörster 1998, S. 10) Die Aufgaben der Pflegedokumentation sind dabei die Dokumentation, Information, Kontrolle und Disposition. Die Pflegedokumentation dokumentiert alle Phasen des Pflegeprozesses.
Häufig werden Daten immer noch doppelt oder mehrfach dokumentiert. Zum einen geschieht dies beispielsweise mithilfe der Scraps, die das Pflegepersonal in den Kitteltaschen mit sich führt und einer übertragung der darauf notierten Daten zum Ende des Dienstes in die eigentliche Pflegedokumentation. (vgl. Trill 1993) Zum anderen führte die Pflege-Personalregelung (PPR) „in vielen Häusern zu der Einführung von speziellen Formblättern wenn nicht sogar zur Einführung von Systemen zur rechnergestützten Erfassung dieser Pflegestufen.“ (vgl. Schrader 2000). Zunehmend wird aber auf digitale Patientenakten zurückgegriffen. Moderne Gesundheitsversorgung ist ohne den Einsatz von Informationsund Kommunikationstechnologie kaum mehr denkbar. Die IT nimmt jetzt zunehmend eine strategische Rolle ein und unterstützt die Prozessoptimierung, die Behandlungsplanung, die Arzneimitteltherapie, die Evaluation von Behandlungsergebnissen, die Qualitätssicherung, die Personalbedarfsermittlung und die Personalkostenberechnung. Des weiteren ermöglicht IT das Telemonitoring von Patient/-innen und insbesondere auch die Kommunikation und Kooperation im multidisziplinären Behandlungsteam und über Einrichtungsgrenzen hinaus.
Auf diese digitale Patientenakte wird in übergaben häufig Bezug genommen. Ich erinnere mich noch gut an ein Forschungsprojekt aus dem Jahr 2008: In diesen kommt vor allem zum Ausdruck, dass die Pflegenden dem Medium Computer misstrauen und Schwierigkeiten mit der Bedienung haben. Hier ist mir ein Ereignis der Feldbeobachtung besonders in Erinnerung geblieben:
 
„Marga: und, ach Scheiße. Der blöde Computer spinnt wieder. Das dauert ewig und man kann einfrieren, bevor was passiert. Ich habe an dem Rechten angefangen, der ging nicht. Dann bin ich rüber gegangen an den Linken, der hat erst überhaupt nichts gehabt. Und was ich da gemacht hab, das versteh ́ ich schon gar nicht mehr.
Alle: das kann ich nicht verstehen.....das müssen wir mal besprechen....mal sehen....
Marga: und dann bin ich wieder an den linken wieder und dann...
Alle: ja da muss man mal probieren....vielleicht ist das nicht richtig....und außerdem
Marga: und dann habe ich alles ausgedruckt, aber die OP-Pläne, die waren nicht richtig.
Pascale: ich weiß nicht, was mit dem Programm ist, aber irgendwie muss man die Pläne doch wieder leer machen können. Der spinnt einfach. Der spinnt dann. Der ist die Woche allein zweimal abgestürzt. Einoder zweimal. (...)“
 
Diese Schwierigkeiten führten seinerzeit dazu, dass die Pflegenden den mündlichen übergaben eine höhere Glaubwürdigkeit attribuieren, als der schriftlichen Dokumentation – und: es gab deutliche Belege dafür, dass das Führen einer schriftlichen Dokumentation als Fleißarbeit und Controlling-Instrument empfunden wurde. Ein Teil der übergabe wurde jeweils darauf verwandt, den Pflegenden mitzuteilen, welche Informationen, die sie der schriftlichen Dokumentation entnehmen konnten, definitiv nicht stimmten. In 16 Übergaben wurden allein 21 Situationen identifiziert, in denen von der gehenden Schicht ein deutlicher Hinweis darauf gegeben wurde, dass sie die schriftliche Information nicht beachten sollten.
 
Spannend ist für mich vor allem die Frage, wie sich diese Entwicklung in den letzten sechs Jahren fortgesetzt hat. Bereits 2007 haben wir im Rahmen des damaligen Kongresses „European Nursing Informatics“ eine „Nursing Documentation Challenge“ durchgeführt: Softwareanbieter mussten unter Echtbedingungen die Anwendung und Nutzung ihrer eigenen Software fallbasiert präsentieren. Ergebnis: So mancher sagte „aus technischen Gründen“ kurzfristig ab ...
 
Ich freue mich, dass der ENI-Kongress im kommenden Jahr – nach 6 Jahren Pause – wieder stattfinden wird. Natürlich wird es wieder eine NDC geben: Die NDC, welche im Rahmen des Kongresses ENI 2015 stattfinden wird, bietet eine Plattform, um verschiedene IT-Lösungen aus dem Gesundheits-, Pflegeund Sozialbereich unter vergleichbaren Bedingungen bei der Lösung von praxisnahen Aufgaben (Nutzungsszenario) vorzustellen. In der NDC zeigen Anbieter von klinischen Informationssystemen an Hand eines vorgegebenen Szenarios („Drehbuch“) die Funktionalitäten ihrer Produkte in einer Live-Präsentation. Die Zuhörer der NDC können so die Verfügbarkeit von Funktionen, den Aufwand für die Erledigung von Aufgaben sowie das „Look-and-Feel“ der vorgestellten IT-Lösungen unmittelbar miteinander vergleichen. Die NDC bietet Entscheidungsträgern aus Gesundheit-, Pflegeund Sozialeinrichtungen die Möglichkeit, das Produkt hinsichtlich der Eignung für das eigene klinische Setting unter vergleichbaren Bedingungen zu beurteilen und unterstützt so einen systematischen Entscheidungsund Auswahlprozess. Documentation Challenges fanden bereits auf GMDS-Jahrestagungen, auf früheren ENI-Kongressen und auf der ConhIT statt. Sie wurden sowohl von den Teilnehmern als auch von den Anbietern als sehr informativ wahrgenommen.
 
Vielleicht schauen Sie einmal rein?
 
Unter www.kongress-eni.eu finden Sie weitere Informationen zur NDC und zum Kongress 2015.
Herzliche Grüße aus der Redaktion
 

Prof. Dr. Andreas Lauterbach

 

 
 
 

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